Autor Thema: Garmin Quickdraw Contours im erweiterten Praxis-Test  (Gelesen 3321 mal)

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Garmin Quickdraw Contours im erweiterten Praxis-Test
« am: 30 April 2016, 22:35:57 »
Nachdem wir uns in einem Kurztest bereits mit den wesentlichen Funktionen von Garmin
Quickdraw beschäftigt haben, soll es nun etwas genauer zugehen.
Dazu haben wir uns eine relativ gut definierte Testumgebung ausgesucht.

Als Testbasis dient uns die Seekarte der Landesverwaltung, dargestellt auf einem Lowrance HDS.



Das gewählte Gebiet ist etwa 90 m lang und geht im Schnitt 70 m in den See hinein. Wie in
oberen Bild zu erkennen ist, weicht die amtliche Karte im Uferbereich von der Realität etwas ab.
Unsere Uferlinie wurde sehr genau per Hand und GPS-Gerät erfasst, insofern ist entweder der
Wasserstand zum Zeitpunkt der Kartenerstellung abweichend, oder es wurde (wie so oft) eine
Uferlinie aus dem Luftbild erzeugt. Da hier Bäume am Ufer stehen, sind Fehler vorprogrammiert.

Innerhalb des Testgebietes wurden nun drei Szenarien ausgewählt:
1. Uferparallele Schleifen, mit ca. 15 m mittlerem Schleifenabstand, relativ eng gezogen
2. Uferparallele Schleifen, mit ca. 25 m mittlerem Schleifenabstand, weiter auseinander gezogen
3. Schleifen, senkrecht zum Ufer gezogen, mit mittlerem Schleifenabstand von ca. 25 m

Die Szenarien 1-3 in der Übersicht, mit deren Bewegungsmuster im Luftbild:


Szenario 1

Uferparallele Schleifen, mit ca.
15 m mittlerem Schleifen-
abstand, relativ eng gezogen
  Szenario 2

Uferparallele Schleifen, mit ca.25
m mittlerem Schleifenabstand,
weiter auseinander gezogen
  Szenario 3

Schleifen, senkrecht zum Ufer
gezogen, mit mittlerem Schleifen-
abstand von ca. 25 m

Globale Ansicht


....mit definiertem Gebiet


 
Globale Ansicht


....mit definiertem Gebiet


 
Globale Ansicht


....mit definiertem Gebiet


Man sieht hier teilweise deutliche Differenzen zur realen Bodenstruktur.

Im Vergleich dazu ein Blick in Reefmaster.
Dazu wurde mit einem HDS die Tracklinie von Szenario 1 abgefahren.
Die geloggten Daten stellen sich in RM wie folgt dar:

Projektansicht, Lowrance HDS-Log


Usermap-Ansicht (auf Isobaths gestellt), Lowrance HDS-Log


Bei Reefmaster deckt sich die angezeigte Struktur besser mit der realen Bodenstruktur.

Das Farbschema wurde einfach aus RM entnommen - es sind jedoch sehr viel mehr farbliche
Tiefenabstufungen möglich, als die bisher maximal 10 bei Garmin Quickdraw.
Um optisch besser zu vergleichen, wurde die Farbpalette im RM
in etwa an die in Garmin gewählten Farben angepasst:



Zusammenfassung der Ergebnisse.

Gleich vorweg - es geht bei diesem Test nicht darum, einen Testsieger zu ermitteln!
Dazu müsste man sehr genau die wirkliche Tiefenstruktur als Referenz ermitteln.
Dies würde einen sehr hohen technischen Aufwand bedingen,
den wir jedoch gar nicht leisten wollen und können.

Es geht mehr darum, bestimmte Unterschiede und eventuelle Schwachstellen zu ermitteln. 
Unsere Hinweise richten sich an die Macher von Garmin mit der Bitte, die Testergebnisse zu
bedenken und ggf. in Quickdraw-Updates einzuarbeiten. Ferner sollen Nutzer von
Garmin-Quickdraw auf mögliche Fehlerquellen ihres eigenen Handelns hingewiesen werden.

Generell muss uneingeschränkt festgestellt werden,
dass man mit Quickdraw recht passable Karten herstellen kann.

Das Interpolationsverfahren ist nicht bekannt, aber aus den Abbildungen kann eine
Zellgröße der Interpolation von etwa 5 m abgeleitet werden, sicherlich ein guter
Kompromiss zur Rechenleistung des Gerätes. RM hat 1 m und damit natürlich ein
grafisch besseres Bild, was aber nicht entscheidend ausfällt.

Welche Probleme können bei Quickdraw auftreten?
  • Das unseres Erachtens beste Ergebnis der Quickdraw-Karten untereinander und im Vergleich
    zu einer fremden Referenz bietet Szenario 1. Bei engen Schlaufen, so ufernah wie möglich
    beginnend (direkt am Schilfgürtel), entsteht eine sehr brauchbare Karte. Szenario 2 hat wegen
    der Uferferne des Logbeginns Probleme mit flacher werdenden Bereichen. Wer an ufernahen Strukturen Interesse hat, sollte dies unbedingt beachten. Am schlechtesten fällt Szenario 3 aus,
    denn es unterstellt eine wellige Bodenstruktur, die in der Realität nicht zutrifft. Zumindest im ufernahen Bereich sollte nicht wie in Szenario 3 verfahren werden.

  • Ganz entscheidend für die Qualität der Karte ist folglich die Art und Weise des Datenloggens.
    Eine gute Grundlage dafür kann der Anleitung in diesem Forum entnommen werden. Zumindest der ufernahe Bereich sollte uferparallel aufgenommen werden. Ein weiteres uferparalleles
    Fahren der Logschleifen scheint besser zu funktionieren als eines senkrecht zum Ufer (spielt
    sicherlich weitab vom Ufer keine Rolle mehr). Man sollte auch möglichst enge Schleifen fahren,
    konkret 15 m, besser 10 m oder weniger. Mit dieser Vorgabe entfernt man sich schon etwas
    von der üblichen Anglernutzung. Dennoch ist dieser Hinweis erforderlich.

  • In allen drei Testszenarien hat Quickdraw Probleme mit dem unmittelbaren Ufer.
      Dies liegt daran, dass man keine Uferlinie oder
    Inseln als Clip-Polygone festlegen kann, gegen
    die dann eine Interpolation läuft. Diese werden
    folglich "überflutet", also als Wasser angezeigt,
    wo längst Land wäre. Dies wird sicherlich
    schon anvisiert, denn immerhin kann man
    solche Elemente in Garmin-Geräten erzeugen.
    Es wäre aber besser, diese in das Gerät impor-
    tieren zu können, nachdem man sie vorher im
    PC erzeugt hat.
    Das ginge viel schneller als mit den Tasten am Gerät, wie die  als gpx-Trackdatei
    importierte Testregion belegt. Noch leichter wären Polygone z. B. aus Google Earth,
    man hätte außerdem gleich geschlossene Polygone, was die Interpolation verbessert.
    Mapsource oder Homeport können unseres Wissens nach nur offene Tracklinien erzeugen.

    Keines der Szenarien schafft eine Tiefenfläche von 0 bis 1 m aufzubauen (obwohl diese
    voreingestellt war), vermutlich eine Schwäche der fehlenden Interpolation gegen
    Ufer/Insel und gleichzeitig der nicht befahrbaren Flachbereiche (Schilfgürtel).

  • Die Tiefenwerte der Tiefenlinien werden in aus Fuß umgerechneten gebrochenen Meterwerten
    dargestellt (sofern auf metrisch gestellt wurde), für europäische Hirne ein gewisses Problem. :smiley:
    Die Schriftgröße ist nicht veränderlich. Leute mit Augenproblemen können die sehr kleinen Zahlen
    und die noch viel kleineren Zehntel nicht so recht erkennen. Der Cursor/Mauszeiger ist mit den
    Tiefenlinien verbunden und damit mit den umgerechneten Fußwerten. Damit kann man besser die
    Tiefe erkennen, aber diese Option ist eben mühselige Handarbeit.

  • Die Begrenzung der Tiefenlinien auf Fuß = rund 30 cm kann bei steil abfallenden bzw. stark
    strukturierten Gewässern zu einem sehr verwirrenden Linienwirrwarr führen (dafür gibt es gute
    Beispiele). Anzuraten wäre es, die Anzahl der einblendbaren Tiefenlinien regelbar zu gestalten
    (z. B. 0,5, 1, 2, 5, 10 m Abstände).

  • Die Anzahl der Farben für Tiefenflächen ist auf 10 begrenzt. Dies ist schon mal ganz hilfreich,
    ließe sich aber vielleicht erhöhen. Zudem könnten die verfügbaren Farben variabler gestaltet
    werden, weil man attraktive Paletten mit den 17 vorhandenen Tönen nur schwer hinbekommt.
    Hilfreich wäre beispielsweise eine variable Farbpalette wie seit jüngerer Zeit bei einigen
    Lowrance Geräten im Zusammenhang mit IG-Karten.

    Auch die Tiefenflächenzuordnung sollte von der Anzahl möglicher Tiefenflächen her anpassbar sein.
    So kann man in RM für die HDS-Geräte leicht 30 bis 40 Farbabstufungen kreieren und es
    werden zukünftig inkl. Transparenz noch deutlich mehr möglich werden.

  • Da man nicht an die aufgezeichneten Daten herankommt (höchstens separat als gpx über RM),
    kann man keine fehlerhaften Logpunkte löschen.
    Diese kamen im Test nicht vor, wären aber aus Praktikersicht zu beachten.

  • Man kann zwar Gerätewegpunkte setzen, aber in Quickdraw selbst sind keine
    Kartenwegpunkte möglich, also solche, die nur in Verbindung mit der Karte auftauchen.
    Andere Mitbewerber (bei weitem nicht alle) lassen dies zu.

Insgesamt sehen wir unsere Ergebnisse aus dem Kurztest bestätigt:
Ein großes Plus für den Nutzer und damit Lob an Garmin für das Feature Quickdraw.
Unbestreitbar ist Quickdraw ein großer Vorteil, wenn man seine Karte quasi sofort zur
Verfügung haben muss/will. Dies ist revolutionär (abgesehen von Autochart) und kann wirklich
einen Vorteil für Garmin darstellen, vor allem aufgrund der beschrifteten Tiefenlinien.


Wenn noch ein paar Änderungen vorgenommen werden und kleine Problemchen damit abgestellt
werden, könnte Quickdraw nicht nur gut gelungen, sondern sogar richtig gut werden.
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Offline fjordfischer

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Re: Garmin Quickdraw Contours im erweiterten Praxis-Test
« Antwort #1 am: 11 Mai 2016, 20:08:15 »
Nachtrag:
Habe die Daten auch an IG gesendet und hier ist das Ergebnis im Insight Planner.
Dieses Ergebnis ist annehmbar aber enthält auch kritische Punkte (auch solche wie bei Garmin mit der gebrochenen Fußumrechnung), die an anderer Stelle schon angesprochen wurden.

Offline desperados

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Re: Garmin Quickdraw Contours im erweiterten Praxis-Test
« Antwort #2 am: 11 Mai 2016, 21:16:28 »
Ich würde mir beim Quickdraw einen automatischen Farbverlauf wünschen den man in Stufen vorgeben kann. (Alle 30cm oder alle 50cm ) Aktuell ist das etwas unübersichtlich
mit den 20 verfügbaren Farben.
Damit kriegt man auch gerade mal 10m Wassertiefe einigermassen ordentlich abgedeckt wenn man jeden halben Meter eine andere Farbe nimmt. Das ist mir persönlich nicht wirklich ausreichend.
Insbesondere da ich mit der Mosel hier ein recht strukturarmes Gewässer habe, bei dem 30cm Plateaus einen riesigen Unterschied machen können ob man etwas fängt oder nicht.

Offline fjordfischer

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Re: Garmin Quickdraw Contours im erweiterten Praxis-Test
« Antwort #3 am: 11 Mai 2016, 21:20:10 »
Ist ja im Testtext angesprochen (variable Farbpalette, Tiefenflächenzuordnung). Bedenke aber, dass wir mit 30 cm so unsere Probleme haben, weil wir in Metern denken.

Offline desperados

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Re: Garmin Quickdraw Contours im erweiterten Praxis-Test
« Antwort #4 am: 11 Mai 2016, 22:07:15 »
Schön wäre wenn man einfach frei in 10cm Schritten auf einer Skala von 0,1-10m z.b wählen könnte in Kombination mit automatischem Farbverlauf. Sehr wichtig wäre mir in diesem Fall noch eine Skala am Bildschirmrand die jede Farbe einer Tiefe zuordnet. So wie es z.b bei Downvü Verlauf der Fall ist.
Dass es bereits im Testtext angesprochen wurde hatte ich gesehen, ich wollte nur erwähnt haben dass ich da der gleichen Meinung bin.  :applause:



Offline fjordfischer

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Re: Garmin Quickdraw Contours im erweiterten Praxis-Test
« Antwort #5 am: 12 Mai 2016, 07:13:22 »
Eine Skala am Bildschirmrand haben wir vor Urzeiten schon mal im HDS getestet, jedoch nicht wirklich am Bildschirmrand, sondern am Kartenrand, eingebettet in die Karte. Letzten Endes macht so ein Teil nur Sinn, wenn man unskalierte Werte erläutern will. Da man es aber mit beschrifteten Tiefenlinien recht einfach hat zu schauen, was was ist, sind wir wieder davon abgekommen. So eine Darstellung würde aber zum Beispiel Sinn machen, wenn man den Bodenhärtestrukturen Texturen/Farben zuordnet, die den realen Gegebenheiten entsprechen (Beispiel: Textur/Farbe 1 - Schlamm, Textur 2 - Feinsand,  ....).

Ansonsten ist es gut, wenn die User ihre Meinung kundtun, es kann gar nicht genug davon geben.